Kompliment.. nicht selbstverständlich?
Am Komplimente-Tag stellen wir das Komplimentemachen ins Rampenlicht. Es ist nicht immer leicht, einander Wertschätzung auszusprechen. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Oft wird ein Kompliment als Vorbote einer Bitte gesehen. Wir bekommen ein Kompliment und fühlen uns verpflichtet, etwas zurückzugeben. Wertschätzung wird dann als Strategie empfunden, um eine Gefälligkeit zu bekommen.
- Was gut ist, wirkt selbstverständlich. Deshalb sprechen wir nicht oft Wertschätzung aus für das, was uns guttut. Wir finden es normal, dass Eltern etwas für ihre Kinder tun. Wenn wir für etwas bezahlen, müssen wir uns nicht mehr bedanken. Wenn Kollegen Tag für Tag ihren Job machen, finden wir das normal und sehen keinen Grund, Danke zu sagen.
- Schöne Gefühle bleiben weniger lange „kleben” als unangenehme. Deshalb richtet sich unsere Aufmerksamkeit eher auf das, was fehlt, als auf erfüllte Bedürfnisse. Wir vergessen oft, Wertschätzung auszusprechen, weil wir auf das Lösen von Problemen fokussiert sind.
Dabei hat es positive Effekte, Wertschätzung auszusprechen und einander bewusst zu danken. Komplimente hören und Komplimente machen: Beides macht uns zu fröhlicheren Menschen. Komplimente geben Energie. Sie schaffen Raum für ein Klima von Verständnis und Verbundenheit. Außerdem sorgen sie dafür, dass auch korrigierendes Feedback besser ankommt.
Hier ein paar Anregungen, Ihre Wertschätzung bewusster auszudrücken:
- Wenn Sie Wertschätzung zeigen, koppeln Sie sie nicht automatisch an eine Bitte. Ein Kompliment ist wie ein kleines Fest. Genießen Sie das Geben – und auch die Art, wie Ihr Kompliment empfangen wird.
- Schauen Sie sich die Menschen um Sie herum an. Überlegen Sie, warum Sie jeden Einzelnen schätzen. Trainieren Sie Ihren Blick im Wertschätzen. Suchen Sie einen Moment, Ihr Kompliment auszusprechen, in dem die andere Person es wirklich hören kann. Bitten Sie also zuerst um ein bewusst zuhörendes Ohr und sagen Sie dann, was Sie schätzen.
- Wenn jemand sich schwertut, Ihr Kompliment zu hören, seien Sie milde. Hören Sie, wie es dieser Person geht. Manche Menschen finden es ziemlich anstrengend, Wertschätzung anzunehmen, weil sie es nicht gewohnt sind. Begrüßen Sie dieses Unbehagen mit einem Lächeln.
- Wissen Sie, dass nichts, was Sie haben, selbstverständlich ist. „Count your blessings”: Zählen Sie Ihre Segnungen, schreiben Sie sie in ein kleines Buch … Es ist wahrscheinlich eine ziemlich lange Liste. Wenn Sie diese „Geschenke” so anschauen, als sähen Sie sie zum ersten Mal, sprudelt vielleicht spontan Dankbarkeit hoch. Wer trägt bewusst oder unbewusst zu Ihrem Wohlbefinden, Ihrer Gesundheit und Ihrem Glück bei? Wie genau? Stellen Sie sich vor, jemandem für etwas zu danken, das Ihnen bisher selbstverständlich vorkam. Sagen Sie es laut und schauen Sie, wie der andere reagiert.
- Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Dinge, die da sind. Welche Bedürfnisse sind in diesem Moment erfüllt? Wer hat dazu beigetragen? Vielleicht kennen Sie die Person nicht, die etwas für Sie bedeutet hat. Vielleicht ist es ein Kollege, ein Bekannter oder ein zufälliger Passant, der etwas für Sie getan hat? Halten Sie bewusst beim Guten inne, das Ihnen widerfahren ist. Drücken Sie Ihre Dankbarkeit spontan aus. Sprechen Sie den anderen an, bitten Sie kurz um Aufmerksamkeit dafür.
- Schätzen Sie vor allem sich selbst. Sich oft selbst zu kritisieren und sich nicht gut genug zu fühlen, ist menschlich. Es geht ja immer noch besser. Dadurch fehlt der liebevolle Blick auf sich selbst. Worin sind Sie gut? Worauf sind Sie stolz? Wofür können Sie sich auf die Schulter klopfen? Wenn Sie wertschätzend auf sich selbst schauen, wird es auch leichter und natürlicher, andere zu schätzen.
- Vielleicht haben Sie selbst noch einen Tipp, um bewusster Komplimente zu machen … Denken Sie kurz nach … Was können Sie noch tun, um die kleinen Wertschätzungsmomente in Ihrem Leben einzuplanen?
Genießen Sie den Monat März – und das bewusstere Komplimentemachen.
Schön, dass Sie diesen ganzen Text gelesen haben. Danke dafür.
Erwin Tielemans