Gesund mit Hass und Ärger umgehen
Was tun mit Hassgefühlen und Ärger gegenüber anderen? Was tun, wenn Sie auf jemanden wütend sind? Wie umgehen mit Neid und Eifersucht, wenn jemand es besser hat als Sie und es Ihrer Meinung nach eigentlich nicht verdient?
Wie Hass und Ärger entstehen
Diese Gefühle entstehen aus dem Urteilen über andere. Mit unseren Gedanken machen wir andere für das, was wir fühlen, schuldig oder verantwortlich. Weil es nicht fair ist oder weil andere sich nicht an die Regeln halten, geben wir ihnen die Schuld an dem Nachteil, den wir spüren.
Kennen Sie diese Gefühle? Sie zeigen ein wenig getarnt, dass Ihnen etwas fehlt. Es sind sekundäre Gefühle, die durch urteilende Gedanken über andere entstehen. Andere werden für etwas verantwortlich gemacht, das Ihnen fehlt – für ein Bedürfnis, das zu kurz kommt. Durch das Urteil und die sekundären Wutgefühle auf den anderen spüren Sie nicht mehr die Frustration oder den Schmerz und sind nicht mehr auf die dahinterliegenden Bedürfnisse fokussiert.
Ist daran etwas falsch? Überhaupt nicht. Es kostet nur viel Energie, ohne dass etwas gelöst wird.
Was lässt sich damit tun?
Aus VK heraus sagen wir: Sie haben hier eine Wahl. Sie können Ihre Aufmerksamkeit auf das Urteil richten und dem anderen die Verantwortung für das geben, was Ihnen fehlt. Sie können wütend auf ihn sein und ihm die Schuld zuschieben. Oder Sie können Ihre Aufmerksamkeit darauf richten, was Ihnen fehlt und wie es sich anfühlt, das zu vermissen. Anschließend können Sie für das zu kurz kommende Bedürfnis sorgen, indem Sie es zunächst anerkennen und gegebenenfalls die Initiative ergreifen, es zu erfüllen – auch mithilfe anderer.
Urteilendes Denken führt meist zu einer schwierigen Beziehung mit der Person, der Sie einen Vorwurf machen. Sie schaffen sich gewissermaßen ein Feindbild. Alles, was der andere sagt oder tut, bekommt einen negativen Beigeschmack. Sie haben weder Lust noch Mut, ihm empathisch zuzuhören. Ihre urteilenden Gedanken bekommen ein Eigenleben. Oft entsteht eine Self-fulfilling Prophecy: Durch die Art, wie Sie über den anderen denken und mit ihm umgehen, verhält er sich oft genauso, wie Sie es schon gedacht hatten.
Was ist die Alternative?
Aus VK heraus können Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das richten, was Sie fühlen und brauchen. Das bewusste Erleben Ihrer Gefühle und das Erkennen Ihrer dahinterliegenden Bedürfnisse gibt Energie, Kraft und Ruhe, für sich selbst zu sorgen. Damit verschwindet das Feindbild, und der Kontakt mit dem anderen wird viel geschmeidiger.
Beispiel einer Übung
- Sie sind eifersüchtig auf Ihren Kollegen, der schneller Karriere macht als Sie und ein größeres Auto fährt. Sie spüren Eifersucht, Neid, Hass …
- Erkunden Sie Ihre Gefühle, indem Sie ihnen bewusst Aufmerksamkeit geben. Atmen Sie tief ein und aus und spüren Sie in Ihrem Körper, wo die Gefühle sich bemerkbar machen. Sie spüren Eifersucht, Wut, Ärger. Entspannen Sie im Vorhandensein dieser Gefühle. Sie sind da, weil Sie sich nach etwas Wertvollem sehnen.
- Erkunden Sie die Urteile hinter den Gefühlen: Er hat es nicht verdient, so schnell aufzusteigen. Es ist nicht fair, dass er ein großes Auto fährt, mit dem er zeigen kann, wie wichtig er ist.
- Drehen Sie die Urteile um und versuchen Sie, Ihre Bedürfnisse zu sehen: Wie sehne ich mich danach, ebenso geschätzt zu werden! Ich habe ein großes Bedürfnis nach Anerkennung. Wie sehne ich mich danach, wichtig zu sein und für die Menschen um mich herum etwas zu bedeuten! Sprechen Sie Ihre Bedürfnisse aus, als wären sie erfüllt: Ich brauche Anerkennung und Wertschätzung, und ich tue gerne sinnvolle Arbeit.
- Wie fühlt es sich an, diese Bedürfnisse wahrzunehmen? Atmen, fokussieren, bewusst spüren … Vielleicht spüren Sie jetzt mehr die primären Gefühle: Schmerz, Trauer, Unsicherheit, Angst … Lassen Sie die Gefühle da sein. Sie wollen vor allem gefühlt werden. Nehmen Sie sich Zeit. Drücken Sie die Gefühle auf Ihre eigene, kreative Weise aus.
- Erleben Sie, was es bewirkt, auf Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu fokussieren. Spüren Sie noch die Eifersucht und den Ärger? Beginnen Sie noch einmal bei 1 und entspannen Sie sich in jeder Phase.
- Wenn Sie den Prozess wiederholt haben und Frieden mit der Situation gefunden haben, schauen Sie für sich, welche Schritte Sie gehen können, um für Ihre Bedürfnisse zu sorgen. Können Sie sich selbst genug Anerkennung und Wertschätzung für das geben, was Sie tun? Wollen Sie ein Gespräch mit Ihrer Führungskraft anfragen, um zu sehen, welche Möglichkeiten es zum Aufstieg gibt? Sind Sie bereit für eine neue Herausforderung? Welche Schritte können Sie dafür gehen?